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27.04.2017, 14:15 Uhr
Imker spielen gewichtige Rolle für die Erträge der Landwirtschaft und bei Obst- und Gemüsebauern
Fachgespräch mit der "Bienenbeauftragten" der CSU-Landtagsfraktion, Tanja Schorer-Dremel, MdL
Rund 80 Prozent aller heimischen Nutz- und Wildpflan-zen werden von Bienen bestäubt. Diese tragen damit einen wesentlichen Anteil an den Erträgen der Landwir-te, Obst- und Gemüsebauern. Den bayerischen Imkern mit ihren rund 250 000 Bienenvölkern kommt damit eine wichtige Rolle zu. Im Rahmen eines Fachgesprächs mit Landwirten, Imkern, Behördenvertretern, Landschafts- und Naturschützern sowie Mitgliedern des CSU-Arbeitskreises Umwelt im Bräustüberl des Hofbräuhauses Traunstein diskutierte der Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner jetzt, wo Bienenzüchter der Schuh drückt und welche Möglichkeiten für eine verbesserte Zusammenarbeit es gibt.
MdL Klaus Steiner und MdL Tanja Schorer-Dremel mit einem Bienenkorb aus Großvaters Zeiten
Traunstein - Steiner berichtete eingangs von Berufsimkern in Kalifornien, deren Bienenvölker per Lkw zur Bestäubung riesiger Mandel- und Obstbaumplantage durchs Land gefahren werden. Bayern setze im Gegensatz dazu auf eine eher agrarökologische Ausrichtung mit kleinteiliger Betriebsstruktur. Wesentlich für ein auch in Zukunft gedeihliches Miteinander sei der Dialog zwischen Imkern, Landwirten und Politik. Mit verschiedenen Aktionen im „Jahr der Biene“ habe der Landkreis Traunstein letztes Jahr bereits wichtige Impulse gesetzt, um die Bedeutung des Nutztieres in der Öffentlichkeit deutlich zu machen. Eine wesentliche Rolle komme ebenfalls den Besitzern von Hausgärten zu. Durch längere Mähperioden und geeignete Anpflanzungen können sie das Nahrungsangebot und damit die Lebensbedingungen der Bienen und Insekten verbessern. Einen Einblick in die aktuelle Situation der Imker und die Förderpraxis des Staates gab die bienenpolitische Sprecherin der CSU-Landtagsfraktion, Tanja Schorer-Dremel. Der große Wissensschatz erfahrener Bienenexperten müsse durch gezielte Nachwuchsförderung mittels Programmen wie „Imkern an Schulen“ und „Imkern auf Probe“ erhalten bleiben. Auf diese Weise wuchs die Zahl der bayerischen Bienenzüchter in den letzten fünf Jahren um zehn Prozent. Im Bereich der Landwirtschaft würden durch das Kulturlandschaftsprogramm und den Vertragsnaturschutz mit entsprechenden Blühstreifen, Streuobstwiesen und Zwischenfruchtanbau wichtige Möglichkeiten verankert, um die Nahrungssituation der Bienen und Insekten zu verbessern. Mit Forschungen, speziell zur Bekämpfung der Varroamilbe, unterstütze das Fachzent-rum für Bienen unter der Leitung von Dr. Stefan Berg an der Landesanstalt für Weinbau und Obstbau die Arbeit der Imker. Es teste auch neue Geräte und Verfahren zur Varroa-Bekämpfung. Schorer-Dremel verwies ergänzend auf die vom Landwirtschaftsministerium geförderte, seit heuer kostenlose Varroa-App, mit der Bienenzüchter ständig aktuelle Werte und Informationen abrufen können. In der Diskussion meldete sich der Präsident vom Verband Bayerischer Bienenzüchter der Rasse Carnicar (VBR), Franz Vollmaier, und sagte, dass die Apotheken-pflicht für einige Mittel zur Varroamilbenbehandlung sehr aufwendig sei und hier eine Erleichterung wünschenswert wäre. Der 2. Vorsitzende vom Landesverband Bayerischer Imker, Sepp Reithmeier aus Pittenhart, ging auf den Mähzeitpunkt und die Zwischenfrucht in der Landwirtschaft ein. Er würde sich wünschen, wenn gerade im Frühjahr ein kleiner Anteil der Wiesen später gemäht werden könnte, um den Bienen zu einem entscheidenden Zeitpunkt Nahrung zu bieten. Umgekehrt seien spät blühende Felder im Herbst kontraproduktiv, weil sie durch das ungewohnte Futterangebot die biologische Uhr der Bienen vor der Winterruhe durcheinander bringen. Maschinenring-Vorsitzender Franz Gruber erläuterte, dass eine spätere Wiesenmahd schwierig sei, weil sich dadurch die für die Milchviehhaltung wichtige hohe Futterqualität verändere. Diskutiert wurde, zumindest zehn Prozent der Felder erst später zu mähen. Ebenso ein Thema waren Straßenbegleitgrün und das Ausschneiden der Dämme an den Wanderwegen. Dazu meinte Josef Mayer, der Vorsitzende vom Arbeitskreis Umwelt, dass diese Arbeiten an den verschiedenen Wanderwegen erforderlich seien, damit die Verkehrssicherungspflicht gewahrt werde. Kreisbauernobmann Sebastian Siglreithmayer gab zu bedenken, dass die Arbeiten beim Straßenbegleitgrün im Februar abgeschlossen sein müssten, um die Vogel-welt zu schützen. Auf den hohen Flächenverbrauch und eine aus ihrer Sicht überzogene Abholzungsaktion des Wasserwirtschaftsamtes an Flußdämmen wies Beate Rutkowski, Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz, hin. Dem hielt ein anderer Redner entgegen, das Amt gehe aus seiner Sicht sehr umsichtig mit Naturschutzbelangen um. Die Hausgartenbesitzer könnten einen wichtigen Teil zur Verbesserung der Lebens- und Nahrungssituation beitragen, sagte die Bienenexpertin Schorer-Dremel. Etwa durch längere Perioden zwischen den Rasen-schnitten, die Rücksicht auf Wildblumen nehmen. In der Gartengestaltung solle auf die Eigenverantwortung der Hausbesitzer gebaut werden und hier müssten Impulse gesetzt werden, meinte Klaus Steiner. Um künftig frei werdende Flächen und Naturräume wie Flächen an Straßen im Sinne der Biodiversität verbessern zu können, könne die Hilfe vom Wildlebensraumberater Dominik Fehringer, der in Pfaffenhof sitzt, genutzt werden, fügte die Bienensprecherin Dremel-Schorer an.