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29.11.2016, 09:35 Uhr
Rasante Umbrüche in der Arbeitswelt von morgen
Talkrunde mit Wirtschaftsministerin Ilse Aigner in Seebruck beleuchtete Herausforderungen durch die Digitalisierung
Der mit Computer, Internet und Digitalisierung einhergehende Wandel durchdringt alle gesellschaftlichen Bereiche und führt auch in der Arbeitswelt von heute zu tiefgreifenden Veränderungen. Welche Herausforderungen und Potentiale dieser Wandel bei der zukünftigen Organisation der Arbeit und im Bildungssystem mit sich bringt, beleuchtete eine hochkarätig besetzte Talkrunde mit Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner bei der Firma Regnauer in Seebruck. Der CSU-Kreisverband hatte die Veranstaltung organisiert im Rahmen der Reihe „Antworten auf Fragen der Zeit“ anlässlich des Jubiläums zum 70-jährigen Bestehen. Rund 100 Vertreter aus Wirtschaft, Kommunalpolitik und der Bildung gewannen in den Diskussionen einen Einblick in die atemberaubenden Veränderungen der Arbeitswelt.
(Foto: Regnauer)
Traunstein/Seebruck - Der Traunsteiner Stimmkreisabgeordnete Klaus Steiner machte eingangs klar, dass die Arbeitswelt von morgen offener und weniger berechenbar sein werde. Was die Dampflok für die Zeit der Industrialisierung bedeutet habe, sei heute mit der Digitalisierung in der gegenwärtigen Wissensgesellschaft gleichzusetzen. „Die Arbeitswelt von morgen wird sich fundamental von der heutigen unterscheiden, um smarte Lösungen für einen en-ger werden Planeten zu finden.“ Den Rahmen der sich verändernden Arbeitswelt skiz-zierte Geschäftsführer Michael Regnauer am Beispiel der Vernetzung sowie der Innovationen und Neuaus-richtungen des eigenen Fertighausunternehmens, kombiniert mit einem Ausblick auf übergeordnete Ent-wicklungen. So sind 3-D-Drucker und die Hausplanung mit im Detail hinterlegten Datensätzen für die Produk-tion bereits heute gängige Praxis in dem mehrfach mit Innovationspreisen ausgezeichneten Familienunter-nehmen. Unter anderem durch die Ausrichtung an der mehrdimensionalen datenbasierten Darstellung des Bauwerks und seiner vielfältigen Funktionen (Building Information Modeling – BIM) konnte die Zeit für die Planungs- und Realisierungsphase dramatisch gesenkt werden. „Für den Wohnungsbau der Zukunft bietet das ganz neue Möglichkeiten“, so Michael Regnauer. Die Dramatik der Umwälzungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung sei erst in Ansätzen zu spüren. Hohe Innovationszyklen sowie neue Technologien und Un-ternehmen, deren Innovationscharakter Altherge-brachtes verdrängen (z.B. Smartphone, Elektroauto, Internet-Banken und –Apotheken oder airbnb sowie Uber-Taxi) stellten die Unternehmen vor neue Heraus-forderungen. Dazu komme die Notwendigkeit zur Ver-änderung interner Arbeitsabläufe aufgrund stärker werdender Vernetzung sowie äußerer Einflüsse und Störungen: etwa durch neue Verordnungen, Techniken und Anforderungen. Dass die Digitalisierung zu den zentralen Anliegen aber auch Herausforderungen für die bayerische Politik zählen, machte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner deutlich. Im Zusammenwirken von Wirtschaft und Wissenschaft sollen die Unternehmen durch die Initiative „Bayern digital“ unterstützt werden. Dazu gehören etwa die bayernweite Forschungs-, Kooperations- und Grün-dungsplattform „Zentrum Digitalisierung.Bayern“ ne-ben neuen Lehrstühlen und Themenplattformen zur Vernetzung. Die gewaltige Wissensexplosion im Zeitalter von Big Data machte Aigner daran fest, dass heute an einem einzigen Tag soviele Informationen generiert würden, wie in der gesamten Zeit vor dem Jahr 2000. Der Idee, dass die Zuwanderung eine spürbare Entlastung des Fachkräftemangels bringen würde, erteilte Aigner eine Absage: „Es ist einfach deshalb schwer, Facharbeiter woanders zu finden, weil es diese Ausbildungen, die wir brauchen, dort schlicht nicht gibt. Das kann ich nicht eins zu eins übernehmen.“ In der anschließenden Talkrunde mit Moderator Axel Effner zeigte Oberstudiendirektor Wolfgang Kurfer, Schulleiter der Berufsschule I und II in Traunstein, erfolgreiche Möglichkeiten auf, die Ausbildung junger Menschen zukunftsorientiert zu gestalten. So wird in Traunstein inzwischen nach Lernfeldern unterrichtet, die mehr Spielraum bieten und Praxis und Theorie nä-her zusammen bringen. „Unser Ziel ist es, auf diese Weise drei Kompetenzen zu fördern“, erklärte er, „die Methodenkompetenz, die Fachkompetenz und die Sozialkompetenz.“ Eine der Herausforderungen sei dabei etwa, Schüler aus Kleinbetrieben und Industrie-betrieben mit unterschiedlichen Voraussetzungen pas-send in den Unterricht einzubinden. Wie sich die Hochschule Rosenheim mit neuen Hoch-schulcampussen für Pflegeberufe und Chemieingenieure in Mühldorf und Burghausen als Bildungsmotor für die Stärkung ländlicher Standorte engagiere, machte Professor Heinrich Köster, Präsident der Hochschule Rosenheim deutlich. Mit den Worten „wir brauchen in den Unternehmen nicht nur Theorie, sondern auch praxisorientierte Menschen“, warb Köster für die Vor-teile der dualen Ausbildung. Anhand des Beispiels der „amorphen Hochschule“ zeigte er neue Wege der Wis-sensvermittlung durch E-Learning und die Präsenz in Vorlesungen auf. Viele Studenten brächten zudem bereits eine gute Vorbildung in Sachen Digitalisierung mit. Mit welchen Methoden, Programmen und Techniken am Arbeitsplatz das zum Münchner Osram-Konzern gehörende Unternehmen Siteco aus Traunreut Mitar-beitern hilft, gesundheitlich länger fit zu bleiben, schilderte Betriebsrat Peter Wieser in der Diskussion. Das Unternehmen ist Kompetenzzentrum und Technologie-führer im Bereich hochqualitativer Leuchten und Lichtlösungen. Nicht wegzudiskutieren seien laut Wieser die psychischen Belastungen infolge des hohen Innovationsdrucks und mehrfacher Besitzerwechsel mit ent-sprechender Neuausrichtung. Umgekehrt biete Siteco mit dem Komplettservice von der Planung bis zur Installation und Wartung sowie höchst innovativen Lichtsystemen für Kommunen und Unternehmen große Chan-cen für deutliche Energieeinsparungen im Dienste des Umweltschutz. Vernetzte Mobilität, Elektromobilität sowie Sicherheit im Zuge der Digitalisierung: Mit dieser Aufzählung führte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner in der Diskussion weitere Herausforderungen an, die die Arbeitswelt der Zukunft beherrschen. Dabei wies sie auf Beispiele wie das Unternehmen Flixbus hin, die im Zuge von Liberalisierungen neue Geschäftsmodelle erfolgreich aufge-baut haben und dabei mit mittelständischen Unter-nehmern zusammenarbeiten. „Es gibt kein anders Bundesland, das sich in der Digitalisierung so engagiert wie Bayern“, zog die Ministerin als Bilanz des informativen Thementags.