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29.11.2016, 09:34 Uhr | Christiane Giesen
Blitzschnell im Gebäude
Zahl der Wohnungseinbrüche stark gestiegen
„Bayern ist zwar noch immer das sicherste Bundesland, aber auch hier ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in den letzten Jahren besorgniserregend gestiegen“, informierte Hans-Peter Butz, der Leiter der Kriminalpolizei Traunstein, bei einem gut besuchten Gesprächsabend des CSU-Kreisverbands im Gasthof Wessner Hof. Allein im Landkreis Traunstein gab es 2012 noch 38 Wohnungseinbrüche, 2013 waren es 45, ein Jahr später 58 und 98 in 2015. In 2016 sei der Trend bisher wieder rückläufig, so Butz.
Kriminaloberkommissar Karl-Heinz Busch von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Traunstein (Foto: Christiane Giesen)
Traunstein/Marquartstein - Derzeit würden viele Einbrüche in Gewerbegebieten verübt, in Edeka- und Getränkemärkten, in Kindergärten oder Bergbahnen. Natürlich gebe es auch einheimische Täter aber ein überproportionaler Zuwachs an organisierten, reisenden Tätergruppen aus Osteuropa sei festzustellen. Diese begehen zum Beispiel in einer Nacht gleich mehrere Einbrüche, bevorzugt in Orten entlang der Autobahn, und sind am nächsten Tag wieder in ihren Heimatländern. Bei Einbruchsdelikten bestehe kein Zusammenhang mit der Flüchtlingswelle. Gesucht wird an erster Stelle Bargeld, aber auch Uhren, Schmuck und Kleingeräte – alles, was leicht zu transportieren ist. An den vielen interessierten Fragen der Zuhörer wurde deutlich, wie stark das Thema sie bewegt. Auf die Frage, wo besonders häufig eingebrochen wird, nannte der Kriminaldirektor größere Mehrfamilienhäuser und von den Nachbarn nicht gut einsehbare Häuser, bei denen das Entdeckungsrisiko entsprechend gering sei. Die Polizei setze zunehmend auf Schleierfahndung und Schwerpunktkontrollen, durch die mehrfach auch Banden geschnappt werden konnten. Unabdingbar sei dabei die gute grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Österreich oder Italien. Wichtig sei es bei Fahndungserfolgen auch, dass die Justiz entsprechend hohe Haftstrafen verhängt, die nachweisbar abschreckend wirken, so Butz. Oftmals werde es Tätern auch durch Leichtsinn auch im privaten und gewerblichen Bereich viel zu leicht gemacht, einzubrechen. Als Moderator der Veranstaltung wies der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner, stellvertretender Bezirksvorsitzender im Arbeitskreis Polizei, darauf hin, dass die bayerische Staatsregierung alles tue, um die innere Sicherheit und die Bürger zu schützen. So würden in Bayern von 2017 bis 2020 jedes Jahr 500 Polzisten mehr eingestellt und qualifiziert, auch wegen der zunehmenden Aufgaben im internationalen Terrorismus. Dringend notwendig sei es aber auch, dass der Einzelne Initiative ergreift und sein Eigentum so gut wie möglich schützt. Auch dafür gibt es finanzielle Anreize von der Staatsregierung. Viele Einbrüche in zehn Sekunden Kriminaloberkommissar Karl-Heinz Busch von der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Traunstein beschrieb, wie Einbrecher in zehn Sekunden schon mit einem simplen Schraubenzieher an ihr Ziel kommen. Haupteinbruchszeiten sind vormittags zwischen 10 und 12 Uhr, spätnachmittags in der Dämmerung und nachts in der Tiefschlafphase zwischen zwei und vier Uhr mor-gens. Am häufigsten kommen die Täter über Terrassen- oder Kellertüren. Er empfahl daher, nicht nur möglichst hoch oben angebrachte Bewegungsmelder an der Haustür, sondern die Möglichkeit, auch die Rückseite des Hauses bei Bedarf zu beleuchten. Keiner solle bei verdächtigen Geräuschen den Helden spielen, sondern möglichst viel Licht machen und 110 wählen. Wichtig sei es immer, dem Täter den Einbruch so schwer wie möglich zu machen. 100ige Sicherheit werde es nie geben, aber das Einbruchsrisiko könne durch Sicherungsmaßnahmen sehr viel kleiner werden, sagte Busch. Benno Singer, Fachmann für Sicherheitstechnik, erläuterte an konkreten Beispielen wie Fenster, zum Beispiel mit absperrbarem Griff und Pilzkopfverriege-lung sicherer geschützt werden können ebenso wie Türen mit Schutzbeschlag und Querriegeln oder Kellerschächte. Er riet dazu, sich vor allen Maßnahmen unabhängigen Rat bei der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle zu holen, Telefon 0861/9873-445. Die Umsetzung könnte dann durch die Fachfirmen in der Region erfolgen.