Neues aus der Fraktion
11.06.2013, 20:19 Uhr
 
Biotonne kommt auch im Landkreis Traunstein
CSU-Kreistagsfraktion diskutiert weitere Entwicklung der Müllentsorgung

Die Abfallbeseitigung im Landkreis Traunstein steht aufgrund auslaufender Entsorgungsverträge  und der Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes vor einer Neuorientierung. Die CSU-Kreistagfraktion nahm die bevorstehenden Veränderungen zum Anlass, bei der letzten Fraktionssitzung mit Dipl.-Ing. Werner Bauer zu diskutieren. 

CSU will trotz Vorbehalte die Einführung der Biotonne im Landkreis Traunstein begleiten.
Den CSU-Politikern erläuterte Werner Bauer, Geschäftsführender Gesellschafter vom Ingenieurbüro ia GmbH aus München die wesentlichen Ergebnisse einer beauftragten Studie zur Situation der Müllentsorgung im Landkreis Traunstein. Nach Auskunft von Herrn Bauer muss aufgrund der Verabschiedung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes auf Bundesebene zwingend eine Biotonne im Landkreis eingeführt werden. „Jede Gebietskörperschaft ist von Gesetzes wegen verpflichtet, eine getrennte Sammlung nach Restmüll und organischem Abfall durchzuführen“, erklärte Bauer.

Zunächst lobte der Ingenieur die Landkreisbürger: Der Landkreis steht bisher in Sachen ‚Abfallkonzept‘ schon sehr gut da: Das geringe Restmüllaufkommen mit 145 kg pro Einwohner im Jahr ist bayernweit eine der besten Quoten im Vergleich mit anderen Landkreisen. Das Ingenieurbüro hat in einer Studie genau bewertet, wie viel Müll und davon Biomüll in den einzelnen Gemeinden anfallen. Insgesamt verursacht jeder Bürger im Landkreis im Durchschnitt ca. 73 kg Biomüll. Davon werden momentan ca. 30 kg über den Restmüll entsorgt. Bauer empfiehlt dem Landkreis in seiner Bewertung, die Biotonne kostenlos einzuführen. „Die optimale Größe der Gefäße sind 120-Liter-Tonnen für jeden Haushalt“, meinte Bauer. Die Energiebeauftragte des Landkreises, Dr. Birgit Seeholzer erklärte, dass kein Haushalt verpflichtet sei, eine Biotonne zu nehmen. „Der Landkreis ist gesetzlich verpflichtet, die Biotonne anzubieten, allerdings kann jeder Bürger frei entscheiden, ob er eine Biotonne haben möchte.“ Haushalte die beispielsweise heute bereits den Biomüll kompostieren, können dies auch zukünftig tun. „Ebenso soll die Grüngutannahmemöglichkeit an den Wertstoffhöfen aufrecht erhalten bleiben“, sagte Fraktionsvorsitzender Karl Kaditzky. Als Abholungsrhythmus empfiehlt Bauer eine 14-tägige Abholung im Wechsel mit der Restmülltonnen-Leerung.

 

Die optimale Verwertung des Biomülls stellt nach Aussage von Bauer die Vergärung dar. Dabei wird der Biomüll in einer Trockenfermentationsanlage in Gas umgewandelt, das aufbereitet in ein Gasnetz eingespeist werden könnte. „Durch die Vergärung des organischen Abfalls wird die Energieabgabe im Vergleich zum Heizkraftwerk verdoppelt, die Klimaentlastung sogar verdreifacht“, argumentierte Bauer. Im Landkreis Traunstein gibt es heute ca. 50.000 Müllgefäße. „Wir rechnen damit, dass ca. 40.000 Haushalte eine Biotonne bestellen.“ Die Höhe der Biomüllmenge gibt Bauer mit ca. 12.500 Tonnen an. Nach Meinung von Landrat Hermann Steinmaßl käme das Müllheizkraftwerk in Burgkirchen (ZAS) als idealer Standort für die Vergärungsanlage in Frage. In der Standortfrage ist Bauer der gleichen Meinung: „Eine zentrale Vergärungsanlage bei der ZAS bietet viele Synergieeffekte“, so Bauer. „Restmüll, der sich in den Biotonnen befindet kann sofort vor Ort getrennt entsorgt werden.“

 

Auf Nachfrage von Kreisrätin Fanny Mayer nach den Kosten der Einführung einer Biotonne sagte Bauer, dass nach dem Gutachten mit Mehrkosten in Höhe von gut 300.000 Euro zu rechnen sei. Dabei sind die Strom- bzw. Gaserlöse und die Transportkosten des organischen Abfalls bereits eingerechnet. „Bei 50.000 Restmüllgefäßen sprechen wir von ca. 50 Cent Mehrkosten pro Haushalt im Monat“, erklärte der Landrat.

Bürgermeister Franz Parzinger fand die Rechnung des Ingenieurbüros mit ca. 40.000 Stück Biotonnen sehr gewagt. „Ich rechne damit, dass maximal 25.000 Haushalte eine Biotonne bestellen“, gab sich Parzinger kritisch. Bezirksrat Markus Fröschl sieht keine Notwendigkeit einer Biotonne auf dem Land: „Die Küchenabfälle werden größtenteils selber kompostiert und der Rasenschnitt kann bei den Wertstoffhöfen abgegeben werden“, argumentierte Fröschl. „Die in der Studie geschätzte Höhe des organischen Mülls ist viel zu hoch“, so Fröschl. Außerdem befürchtet Fröschl einen Einbruch bei der Grüngutanlieferung an den Wertstoffhöfen. Kreisrat Sebastian Röckenwagner warnte davor, dass die Biotonne als kostenlose Restmülltonne verwendet wird.

 

Auf die Nachfrage von Kreisrätin Irmi Siglreithmayer, ob denn die Vergärungsanlage auch regional im Landkreis Traunstein betrieben werden könnte, meinte Bauer, dass die Kosten stark steigen würden. „Eine Anlage für die prognostizierten 12.500 t organischen Abfalls des Landkreises Traunstein zu bauen, wäre nicht wirtschaftlich.“

Bürgermeister Konrad Schupfner wollte wissen, wie sich der Restmüll tendenziell bei Einführung einer organischen Abfalltonne entwickle. Dr. Birgit Seeholzer erklärte, dass sich der Restmüll voraussichtlich um 30 kg pro Einwohner im Jahr reduziere. Auf Nachfrage von Kreisrat Franz Maier, wie weit denn die anderen ZAS-Landkreise in der Planung der Biotonne seien, antwortete Landrat Steinmaßl, dass auch dort die Diskussionen und Planungen begonnen haben. Konkrete Entscheidungen gäbe es noch nicht.

 

Die CSU-Politiker waren sich einig darüber, dass man der Einführung einer Biotonne skeptisch gegenüberstehe, allerdings aufgrund der Gesetzeslage dazu verpflichtet sei. „Auf jeden Fall wollen wir den Bürgern eine kostenlose Biotonne zur Verfügung stellen“, fasste Fraktionsvorsitzender Kaditzky zusammen. Die CSU-Kreisräte erwarten deshalb, dass die Biotonne aufgrund der Kostenlosigkeit und der nicht verpflichtenden Abnahme gute Akzeptanz finden werde. Wann und in welcher Form die Bereitstellung der Biotonne erfolge, müsse zunächst in den nächsten Sitzungen des Kreisausschusses und Umweltausschusses diskutiert und beschlossen werden.


Pressemitteilung der CSU-Kreistagsfraktion vom 11.6.2013