Neues aus der Fraktion
04.12.2013, 13:01 Uhr | Obing - Barbara Irl, Pressesprecherin der Fraktion
 
ÖPNV-Veränderungen ein dickes Brett
Die CSU-Kreistagsfraktion möchte die Neuorganisation des ÖPNV gemeinsam mit den Gemeinden umsetzen.

"Ein Verkehrsangebot wie in München werden wir nie bekommen, aber einen passsenden Schülerverkehr und gut abgestimmte weitere Fahrten in alle Orte des Landkreises", das sind nach Meinung von Landrat Hermann Steinmaßl die Forderungen in der Neustrukturierung des ÖPNV. Dazu diskutierten die CSU-Kreistagsfraktion und die CSU-Bürgermeister die Planungen mit dem beauftragten Sachverständigen Stephan Kroll bei der traditionellen Klausurtagung in Seeham. 

Obing - Barbara Irl, Pressesprecherin der Fraktion - Zur Entwicklung eines neuen Gesamtkonzeptes für Schiene und Bus wurde die Firma NahverkehrsBeratung Südwest aus Heidelberg beauftragt. Stephan Kroll stellte den CSU-Politikern den endgültigen Konzeptentwurf vor. Kroll erläuterte das Zielkonzept seiner Studie: dazu gehört das Zielnetz mit abgestimmten Taktzeiten der Busse und der Bahn, ein Verbundtarif mit einheitlichem Fahrschein und Preis bei allen Busunternehmen im Landkreis und des notwendigen Ausbaus der Infrastruktur.

Landrat Steinmaßl machte deutlich, dass der Landkreis und die Gemeinden über 6 Millionen Euro für den Schülerverkehr und nochmals rund 350.000 Euro Ausgleichsleistungen des Landkreises für den weiteren ÖPNV, wie Stadt- und Ortsbusse, Nachtexpress, etc. ausgeben. „Deshalb muss unser Ziel sein, dass wir bestimmen, welche Buslinien wie oft und zu welchen Zeiten angefahren werden und uns das nicht von den Unternehmen diktieren lassen“, kritisierte Steinmaßl. Dass es sich bei den geforderten Veränderungen um ein ‚dickes Brett handelt, das es zu durchbohren gilt‘, räumte Steinmaßl ein. Hauptgrund sind nach Aussage von Kroll die Konzessionen der Busunternehmer. Derzeit hat der Kreis um die 70 Einzelverträge, wobei die meisten Verträge mit dem RVO geschlossen sind.

„Ein Hauptansatzpunkt muss die Harmonisierung der Konzessionslaufzeiten sein“, sagte Kroll. Genau hier sieht allerdings Kreisrat Sigi Walch das Problem, dass die Busunternehmer Angst um ihre Konzessionen und vor Veränderungen haben. „Diese Angst muss in Gesprächen mit den Unternehmern ausgeräumt werden“, erläuterte Walch. Bürgermeister Hans Hellmeier pflichtete ihm bei und sagte, dass sich der Landkreis oder die Gemeinden selbst sicherlich keinen Fuhrpark zulegen wollen, sondern mit den Unternehmern ein besseres Linienkonzept entwickelt werden muss. „Wir wollen keine Konkurrenz unter den Unternehmern um die Konzessionen, sondern um den Fahrgast“, machte Walch deutlich.

Als Beispiel eines optimierten Zielnetzes nannte Kroll die Entzerrung der Schulanfangszeiten. „In 93 % der Schulen im Landkreis beginnt  der Unterricht zwischen 7.45 und 8.00 Uhr.“ Hier bestehe nach Meinung des Experten ein großes Stafflungspotential. Das bedeute, dass manche Busse mehrere Linien fahren könnten – der Busunternehmer muss nicht so viele Busse in der Stoßzeit bereitstellen.

Bürgermeister Stephan Bierschneider wollte wissen, ob eine Zusammenlegung des Schülerverkehrs der Grundschule mit der Förderschule möglich sei. Darauf antwortete Kroll, dass eine gemeinsame Fahrt mit leicht behinderten Kindern durchaus denkbar wäre.  

Auf Nachfrage von Sigi Walch, wie sich die Streichung der Parallelfahrten der Busse zur Bahn auf der Traun-Alz-Achse auf die Fahrgastzahlen der Bahn auswirke, antwortete Steinmaßl, dass die Zugführer von einer geringfügigen Verbesserung sprechen. Bürgermeister Konrad Schupfner fühlte sich bestätigt, dass die Fahrpläne dringend mittels Wabentarife exakt aufeinander abgestimmt werden müssen. Kroll erläuterte, dass die Einführung eines Wabentarifes möglich sei, aber er rate dringend dazu, dass eine unternehmensunabhängige Stelle das Clearing und die Abwicklung übernehme. „Idealerweise ist diese Stelle im Landratsamt angesiedelt.“

Für schwach frequentierte Räume könne sich Kreisrat Robert Aigner eine 'Taxirufzentrale' vorstellen. Kroll erläuterte am Beispiel Übersee eine sinnvolle Buslinienplanung abgestimmt auf die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Bahnlinie München - Salzburg. "Eine attraktive Busverbindung nach Reit im Winkl ohne lange Wartezeiten ist möglich".

 

Die CSU-Fraktion war sich einig, das ÖPNV-Konzept auf den Weg zu bringen. Allerdings seien die Veränderungen nur zusammen mit den Gemeinden umsetzbar. „Wir müssen die gesamten Ausgaben von Gemeinden und Landkreis bündeln und die Schritte, wie Konzessionsvergaben, Engführung von Schülerfreistellungsverkehr und ÖPNV, Linienharmonisierung, Tarifwerk und Infrastrukturverbesserungen nacheinander abarbeiten“, fasste  Kreisrat Sigi Walch, der auch Landratskandidat der CSU ist, zusammen. Nur so könne die Attraktivität des Nahverkehrs gesteigert werden. „Eine Verbesserung können wir nur in Zusammenarbeit mit den Busunternehmern erreichen“ sagte Walch. Wir wissen, dass jede Veränderung weh tut, aber hier erhoffe sich die CSU-Kreistagsfraktion ein Umdenken.

Pressemitteilung der CSU-Kreistagsfraktion vom 4.12.2013