Neues aus der Fraktion
08.12.2012, 16:37 Uhr | Seeon/Traunstein
 
ÖPNV aus einem Guss
CSU-Kreistagsfraktion fordert Gründung eines Verkehrsverbundes und Erhalt der Traun-Alz-Bahn.
ÖPNV an der Kreuzung bei St. Georgen/Traunreut
Seeon/Traunstein -

Ein Verkehrsangebot Bus und Bahn aus einem Guss - das ist das Ziel des Landkreises Traunstein. Die CSU-Kreistagsfraktion diskutierte die Planungen mit dem beauftragten Sachverständigen Stephan Kroll bei der traditionellen Klausurtagung in Seeham.
 

Zur Entwicklung eines neuen Gesamtkonzeptes für Schiene und Bus wurde die Firma NahverkehrsBeratung Südwest aus Heidelberg beauftragt. Die ersten Zwischenergebnisse stellte Stephan Kroll den CSU-Politikern vor. Kroll erläuterte kurz die Hintergründe der Notwendigkeit eines neuen ÖPNV-Gesamtkonzeptes für den Landkreis: Der Freistaat Bayern möchte aufgrund der geringen Fahrgastzahlen den Betrieb der Traun-Alz-Bahn zum Dezember 2013 einstellen. Außer der Landkreis legt ein Gesamtkonzept Bus-Schiene vor, um die Nutzungszahlen der Bahn wieder zu erhöhen. "Dies muss allerdings umgehend geschehen und daran arbeiten wir im Team und in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt mit oberster Priorität", sagte Kroll.

Die Ziele des neuen Konzepts sind die Steigerung der Fahrgastzahlen im Zug, eine gesteigerte Attraktivität des Zugs und ein aufeinander abgestimmtes Verkehrsangebot Bus und Bahn. "Ebenso wichtig sind vernünftige Verbindungen im Taktverkehr und zeitliche Anschlüsse zwischen Bus- und Bahnfahrplan herzustellen", erklärte Kroll. Diese Ziele könnten mit geeigneten Maßnahmen erreicht werden, meinte Kroll. Allerdings müssten alle überzeugt sein, die Traun-Alz-Bahn wirklich erhalten zu wollen und dafür gemeinsam an einem Strang ziehen.

Landrat Hermann Steinmaßl plädierte eindringlich für den Erhalt der Bahnlinie. "Wir können und wollen auf das Gleis nicht verzichten", so Steinmaßl. Die Bahnlinie wird für den Mülltransport von der Müllumladestation in Weiderting nach Burgkirchen genutzt. Außerdem benötigen auch einige Firmen, wie Bosch-Siemens die Bahntrasse. "Wenn die Bayerische Eisenbahngesellschaft das Gleis nicht mehr unterhält, bleiben auch diese Kosten beim Landkreis hängen", prognostizierte Steinmaßl. Den Unterhalt für die Trasse bezifferte Kroll geschätzt auf 1 Million Euro im Jahr.

"Wir müssen es schaffen, den Parallelverkehr Bus und Bahn von Trostberg bis Traunstein zu entzerren", meinte Kroll. "Allein durch Weglassen von parallelen Busfahrten könnte man 130.000 Buskilometer einsparen." Der Zug müsse das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs auf der Hauptachse werden und der Bus als Zu- und Abbringer dienen. Außerdem müsse der Bus die Flächengebiete ohne Bahn erschließen. "Wir wollen den Busunternehmen nichts wegnehmen, sondern durch eine optimierte Umgestaltung neue attraktive ÖPNV-Linien schaffen und neue Marktanteile gewinnen", erklärte Kroll.

Bürgermeister Franz Parzinger ergänzte, dass insbesondere bei den Haltestellen eine Verbesserung herbeigeführt werden müsse. "Die Haltestellen von Bus und Bahn in Traunreut müssen zusammengelegt werden, nur dann erreichen wir eine Bereitschaft zum Umsteigen", so Parzinger. Er informierte, dass in Traunreut aktuell eine Bürgerbefragung zu den Stadtbussen stattfinde.

Auf Nachfrage von Kreisrätin Franziska Mayer, wann ein Konzept bzw. ein Fahrplan für den Nordwesten des Landkreises erstellt werde, antwortete Kroll, dass momentan die Traun-Alz-Achse Priorität habe, aber bis Mitte 2013 ein komplettes Gutachten vorliegen soll. Bürgermeister Konrad Schupfner bezweifelte, ob wirklich viele Fahrgäste zwischen Bus und Bahn umsteigen. "Das funktioniert nur, wenn die Fahrpläne mittels Wabentarife exakt aufeinander abgestimmt sind", meinte Schupfner.

Deshalb sei es wichtig, sagte Kreisrat Andreas Bratzdrum, dass auch der Taktplan der Bahn angepasst werde und das Konzept die Verbindungen über die Landkreisgrenze hinaus betrachte. Für Kreisrat Siegi Walch ist eine 'nutzerfreundliches' Konzept entscheidend. Für schwach frequentierte Räume könne sich Bürgermeister Hans-Jörg Birner eine 'Taxirufzentrale' vorstellen. Kroll erläuterte am Beispiel Übersee eine sinnvolle Buslinienplanung abgestimmt auf die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Bahnlinie München - Salzburg. "Eine attraktive Busverbindung nach Reit im Winkl ohne lange Wartezeiten ist möglich".

Allerdings gab es seitens des Busunternehmens RVO heftige Kritik zum geplanten Konzept, so Kroll. Landtagsabgeordneter Klaus Steiner meinte, dass die emotionalen Gespräche wieder auf eine sachliche Basis geführt werden müssten. "Hier ist ein Dialog mit Bus und Bahn notwendig, um die Interessen des Landkreises zu verdeutlichen." Landrat Hermann Steinmaßl erklärte, dass es ihm wichtig sei, dass es eine einvernehmliche Lösung gibt. " Allerdings machte er auch deutlich, dass die Finanzierung des ÖPNV beim Landkreis liege, beispielsweise der Schülerbeförderung, der Zuschüsse für Nachtexpresslinien, etc. "Diese Kosten sind nicht unerheblich und dafür wollen wir auch ein vernünftiges und abgestimmtes Angebot."

Fraktionsvorsitzender Karl Kaditzky fand das vorgestellte Konzept schlüssig und zukunftsweisend. "Herr Kroll ist mit seinen Überlegungen auf dem richtigen Weg und er hat unsere volle Unterstützung". Kaditzky plädierte für einen mehrteiligen Verkehrsverbund: von Bahn und Bus, des Fahrplans, bei Schüler und Citybussen, bei den Haltestellen, bei den Tarifen und eine Einnahmeumverteilung bei den beteiligten Unternehmen. Diesem Vorschlag folgten die CSU-Kreisräte, durch die einstimmige Forderung, einen Verkehrsverbund im Landkreis Traunstein zu gründen und die Traun-Alz-Bahn zu erhalten.

Pressemitteilung vom 08.12.2012